Was bleibt, wenn es dunkel wird?

Neuwied. Was bleibt, wenn es dunkel wird? Dieser Frage widmet sich am Samstag, 26. September 2026, um 20 Uhr ein musikalischer Abend in der Pfarrkirche St. Michael. Gesang und Klavier verbinden sich dabei mit biblischen Texten und thematischen Betrachtungen von Catrina und Hermann-Josef Schneider.
Die Nacht ist dabei mehr als der Übergang vom Tag zum Morgen. Der Abend fällt in eine Zeit des Jahres, in der die Tage wieder kürzer werden und das Licht allmählich der Dunkelheit weicht. In der Nacht liegen Träume und Sehnsucht, Fragen und Unsicherheit, aber auch Hoffnung und Momente der Gottesbegegnung. Bei Kerzenschein und gedämpftem Licht wird die Dunkelheit selbst Teil der Atmosphäre des Abends. Die Musik nimmt diese verschiedenen Facetten auf und lässt Raum für die Frage, was die Nacht mit dem eigenen Leben zu tun hat: Was trägt, wenn es dunkel wird?
Das musikalische Programm umfasst unter anderem Werke von Franz Schubert und Frédéric Chopin über Claude Debussy bis Richard Wagner. Besonders Wagners „O du, mein holder Abendstern“ aus Tannhäuser fügt sich unmittelbar in das Thema des Abends ein: Der Abendstern wird zum Bild eines Lichts in der Dunkelheit.
Ein besonderer Akzent des Abends gilt August Bungert (1845- 1915). Der Komponist lebte viele Jahre in Leutesdorf, wo er 1915 starb, und war eng mit dem Fürstenhaus Wied verbunden. Besonders mit Carmen Sylva, der Prinzessin zu Wied und späteren Königin von Rumänien, verband ihn eine enge künstlerische Freundschaft. Zu seiner Zeit gehörte Bungert zu den erfolgreichen und weithin beachteten Komponisten. Seine Tetralogie Homerische Welt wurde ab 1896 in Dresden uraufgeführt und bis 1910 mehr als hundertmal in Europa gespielt. 1911 erhielt Bungert den Professorentitel an der Universität Leipzig. Sein umfangreiches Schaffen umfasst neben Opern, Orchester- und Chorwerken auch mehrere hundert Lieder.
Mit „Wandlung über Nacht“ aus Gestalten und Erinnerungen, op. 34 erklingt ein nur wenige Minuten langes Kunstlied Bungerts. Die Aufführung bietet damit die Gelegenheit, einen mit der Region verbundenen Komponisten wiederzuentdecken, dessen Musik heute nur noch selten zu hören ist.
Es musizieren Martin Wagner (Bariton) und Jan Friedmann (Klavier). Die biblischen Texte und thematischen Betrachtungen gestalten Catrina und Hermann-Josef Schneider. Der Eintritt zum Konzert ist frei; am Ausgang wird um eine Spende gebeten.